Schreibmaschine

„Wollen Sie bitte das beiliegende Formular mit der Schreibmaschine ausfüllen.“ Diese Aufforderung flatterte neulich aus einem kantonalen Amt auf meinen Schreibtisch. Schreibmaschine! Adler, Remington, Hermes, Olivetti, IBM, Reliquien aus dem letzten Jahrhundert. Sie zierten jedes Sekretariat. Je teurer die Maschine, umso wichtiger die Sekretärin. Inzwischen hat kaum noch eine private Haushaltung ein solches Schreibgerät.

Auf welchem Planeten lebt wohl die Beamtin, die mich aufforderte mit der Maschine zu schreiben? Ich gebe mich sportlich und will das Formular in meinen PC scannen. Das geht. Jetzt finden sie einmal den Schrifttypus und die Typengrösse die in das Formular passt. Es ist nicht nötig. Was als gescanntes Formular auf meinem Bildschirm erscheint gleicht einem verschlüsselten Geheimdokument. Lauter Buchstaben und Zahlen die keinen Sinn machen. Ich gebe auf. New Public Management. Wirkungsorientierte Verwaltungsführung!

Ein anderes Beispiel. Ein Brief, A-Post, korrekt frankiert, nachmittags um drei Uhr auf die Post in Gossau gebracht verwandelt sich umgehend in B-Post. Wer möchte, dass sein Brief (die Post muss reisen wenn der Kaufmann schläft) anderntags beim Empfänger ankommt, muss ihn entweder vor Mittag in Gossau oder nachmittags in Wetzikon auf die Poststelle bringen. Service publique! Bürgernähe!

Es sind schon ein paar Wochen verstrichen seither. Ich möchte wissen ob beim Swisscom-Shop in Uster ein Nokia Smartphone an Lager liegt. Um nicht vergebens im Oberland herum fahren zu müssen. Ich tue das was jeder tut, ich suche die Telefonnummer des Shops in Uster. Sofort meldet sich eine metallische Stimme „für deutsch drücken Sie bitte die Taste zwei“. Getan, Musik, Mozart, Klavierkonzert, zweiter Satz. Plötzlich meldet sich eine freundliche Stimme. Ob das gesuchte Gerät an Lager liegt wisse sie nicht. „Gehen Sie doch rasch schauen“ „Geht nicht.“ – „Warum nicht“ – „Ich sitze in Bern im Call-Center.“ „Wer könnte mir helfen?“ „Das Logistikcenter in Olten.“ Wieder Mozart, bereits der dritte Satz. Wieder eine freundliche Stimme. „Ein Nokia-Smartphone in Uster? Ich sehe mal nach.“ Zuerst höre ich das Klappern der Computereingabe. Dann wieder Mozart, der erste Satz. Die Stimme meldet sich wieder: „Ich kann es Ihnen nicht sagen, der Computer ist ausgefallen“ „Was soll ich tun?“ „Am besten gehen Sie schnell vorbei und schauen dort hinein.“ „Könnte ich nicht die Nummer von Uster haben?“ „Geht nicht, sie kommen automatisch wieder nach Bern.“ Inzwischen steht der Gebührenzähler bei CHF 2.70. Dieses Geld hat Swisscom im Umsatz. Kundendienst.

Wie war das früher mit der Schreibmaschine?

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