Klima

Nach dem Hitzesommer in Juli und August überkam es mir, ein wenig über die stark diskutierte Klimaerwärmung nachzudenken. Es begann damit, dass ich mich einem Durcheinander von Begriffen, Messgrössen und Dimensionen ausgesetzt sah. Schon der Ausdruck Klimaerwärmung ist falsch verwendet. Von globaler Erwärmung und Klimawandel muss gesprochen werden.

Weit davon entfernt ein Experte zu sein, hatte ich den Eindruck, die Kommentare zu diesem Thema seien nicht zu Ende gedacht. Denn Anstoss dazu gab die Verwechslung von Temperatur und Wärmemenge.

Mit dem Thermometer misst man einen Zustand. Es ist warm. Es ist kalt. Heute ist 17°C. Immer wieder ist aber von einer Durchschnittstemperatur die Rede. Das geht so nicht. Temperatur lässt sich nicht mitteln.

Hierzu der Beweis:

Giesst man ein Liter Wasser von 0 °C mit einem Liter Wasser von 100 °C zusammen, so hat das Gemisch darnach eine Temperatur von 50 °C. Sieht aus, wie wenn es doch eine Durchschnittstemperatur gäbe. [ Null plus 100 geteilt durch zwei gibt 50]. Tut man dasselbe mit drei Liter Heisswasser von 100 °C und einem Liter Kaltwasser von 0 °C, wird die Wärmemenge auch verändert. Das Gemisch zeigt dann eine Temperatur von 75 °C [ dreimal 100 plus einmal 0 geteilt durch vier ].Von Durchschnittstemperatur keine Rede. Was heisst, Wärmemengen kann man mitteln (die Wärmemenge einer Masse gemessen in Joule). Temperatur, oder auch der Druck, als intensive Messgrössen, nicht.
Immer wieder findet man in Berichte – das letzte Mal gestern im Tagesanzeiger - Kommentare in denen der Begriff Durchschnittstemperatur verwendet wird. Hier entsteht der Verdacht unsorgfältiger Berichterstattung. Mir scheint die Klimaproblematik ein besonders guter Nährboden für falsche News zu sein. Nicht alles, was zu diesem Thema geschrieben wird, ist als zuverlässig zu beurteilen.

Wie sieht das nun mit andern Messgrössen aus, die auf das Klima Bezug haben? Was ist ein Klima? Landläufig kann man das Klima als das Durchschnittswetter einer Region über 30 Jahre verstehen. So gesehen ist es erlaubt, über die Klimatemperatur von z.B. Kontinentaleuropa, zu sprechen. Ebenso auch von einer durchschnittlichen Erhöhung der Temperatur eines regional begrenzten Klimas. Betrachtet wird eine bekannte Region. Hier von einer Durchschnittstemperatur zu sprechen soll erlaubt sein, ist aber nicht zu empfehlen, da es zu physikalischen Unsicherheiten führt. (Auch wenn in diesem Fall immer die gleiche Masse der Region zugrunde liegt). Hier zwei Beispiele: In Bergen, Norwegen, regnet es fasst täglich. Für das Kontinentalklima sind heisse Sommer und kalte Winter typisch. Bedenken bekomme ich, wenn von der Erhöhung der Durchschnittstemperatur des Weltklimas gesprochen wird.

Hier stellen sich dem Laien Fragen zur laufenden Klimadiskussion. Über die Gesamtbewertung der forschungspolitischen Aspekte der Klimadebatte gibt es sehr unterschiedliche Einschätzungen. Nicht nur für mich. Auch in der Forschung fliegen die Fetzen. Zwei Lager von Forschungsmeinungen bekriegen sich. Sie liegen sich mit den Argumenten in den Haaren. Sie können die Vergangenheit nicht erklären – und dramatisieren die Zukunft. In der wissenschaftlichen Forschung ist das gut. Das gehört sich. Wissenschaftliche Wahrheiten müssen erkämpft werden. Mit den Jahren pflegt sich, je nach Komplexität des Problems, eine anerkannte Meinung herauszubilden. Da die Klimaproblematik wirklich komplex ist, geht es gewiss noch Jahrzehnte, bis die Forscher sich einig sein werden.

Es ist unvermeidlich, dass sich, bei solch weltumspannenden Debatten, die Politik einschaltet. Die Politik lebt von schnellen Resultaten und kurzfristigen Ergebnissen. Der Weg zwischen Ursache und Wirkung muss dort kurz sein. Der Planungshorizont des Politikers geht von Wahlkampf zu Wahlkampf. Sie brauchen rasch Informationen über die Implikationen der Naturgesetze. Besonders in der Auseinandersetzung um die Klimaveränderung.

Hier ist die Wissenschaft alles andere als ein einfacher Gesprächspartner. Sie liefert keine einfache, politisch einwandfrei brauchbaren Lösungen. In der Forschung geht es lange, bis Klarheit herrscht.

Wie soll hier der Bürger einen einigermassen vernünftigen Durchblick bekommen? Inwiefern werden wir richtig informiert? Was beim Bürger ankommt, ist wissenschaftlich noch nicht erhärtet und politisch verfärbt. Eingefärbt mit der politischen Couleur. Zuverlässige Informationen sind kurzfristig nicht zu erwarten. Nehmen wir zur Kenntnis, dass es für zuverlässigen Erkenntnisse zum Klimawandel Zeit braucht. Nehmen wir uns diese Zeit und lassen wir uns nicht durch unscharfe Berichterstattungen ins Bockshorn jagen.

Eine Übersicht über die Zeitspannen, die sich zum Teil konkurrenzieren, zeigen auf, dass wir uns gedulden müssen.

Der Erkenntnishorizont der Forschung kann Jahrzehnte umfassen.
Der Planungshorizont der Politiker vier Jahre. Schon gesagt; von Wahlkampf zu Wahlkampf.
Derjenige des Bürgers reicht von Zahltag zu Zahltag.
Für die Journalisten genügt nicht einmal ein Tag.

Die Klimadebatte ist voll im Gang. Noch liegen keine verbindlichen Ergebnisse vor.
Klimaänderung gab es auf der Erde schon immer. Da diese Erwärmungen und Absenkungen der Temperatur, und damit die Veränderung der Wärmemengen sehr langsam passierten, hatte die Natur immer genug Zeit, sich auf die bevorstehenden Veränderungen vorzubereiten.
Nehmen wir uns die Natur als Vorbild. Nehmen wir uns Zeit, bis der Nebel sich lichtet und Klarheit zu herrschen beginnt. Auf den Vorgängen der Natur haben wir keinen Einfluss. Seit Jahrmillionen sind sie gültig und wirksam. Immer hat sich wieder ein Gleichgewicht eingestellt. Es ist nicht möglich, aus einem so kurzen Beoachtungszeitraum von 50 Jahren, in dem wir gerade leben, verbindliche Prognosen abzuleiten. Zur gegebenen Zeit werden wir mehr wissen.

 

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