Jeton

Obschon wir dort nichts verloren hatten, verkehrten wir gerne im «Quartier Latin» als wir in Paris waren. Besonders das Café de Flore hatte es uns angetan. Wir fühlten uns dann als zukünftige Philosophen oder Künstler. Verkehrten hier doch Madame de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Pablo Picasso, Jean Cocteau und wir. Wir, eben vom Poly diplomierte Ingenieure. Wir, das waren Zapf, Jazz, Pavor, Hänschen und Bora. Alle, nach bestandenen Prüfungen, auf der Diplomreise. Das hatten wir verdient. Wir, die besten Ingenieure, von der besten Hochschule, der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich!
Beim Bier genossen wir die grosse Freiheit. Ein Bier am Boulevard Saint-Germain. In Frankreich, im Land von Gustave Eiffel, Albert Caquot, Edouard Biot und André Citroën. Alles Männer der typischen französischen, kreativen Genialität. Männer, die für uns Vorbilder waren. An denen wir als Kollegen hinaufschauten. Männer, zu denen wir uns zumessen haben.
Ein Muster solch technischer Avantgarde der damaligen Zeit, war das öffentliche Telefon von France Telecom. Eine weit bessere Leistung als unsere soliden, schweizerischen Münzautomaten. Während bei uns mit Bargeld bezahlt werden musste, gab es hier Jetons. Der Vorteil war ein Vielfacher. Der Jeton wurde im Tabakladen oder beim Kellner gekauft. Preisanpassungen bei den Telefongebühren hatten einen Preisaufschlag des Jetons zur Folge. Von einem Tag auf den andern konnte die Teuerung ausgeglichen werden. In der Schweiz hätte das den Umbau des Telefonapparats zur Folge. Man brauchte keine passenden Münzen mit sich zu tragen. Einfacher geht es nicht. Noch ein weiterer Vorteil des Jetons. Es bestand die Möglichkeit, nur dann den Tarif für die Verbindung zu entrichten, wenn die richtige Person am Draht war. Das ging so: Sobald der Jeton im Schlitz eingeführt war, konnte man die Nummer wählen. Der Jeton war noch nicht im Innern des Apparats verschluckt. Sobald der Angerufene sich mit dem Namen meldete, musste der rote Knopf gedrückt werden, die Verbindung wurde hergestellt, das Gespräch konnte stattfinden, die Gebühr bezahlt, der Jeton versenkt. So konnte vor der Bezahlung der Gebühr festgestellt werden, ob die richtige Verbindung auch hergestellt wurde. Wenn etwas nicht stimmte, wurde der Hörer wieder aufgehängt. Der Jeton konnte dem Gerät entnommen werden. Keine richtige Verbindung, keine Kosten. Nur bei richtiger Verbindung wurde mittels roten Knopfs die Gebühr bezahlt. Sie sind schon gut, die französischen Ingenieure.
Das Stichwort leitete das Gespräch der jungen Schweizeringenieure auf die Automobilindustrie. Im Speziellen auf die Fahrzeuge der Citroën-Werke, auf den Döschwo und die DeEs. Beides Revolutionäre der Autofabrikation. Die DS ist die Zukunft. Nicht nur das avantgardistische Design besticht. Nein, die technischen Innovationen sind eine Sensation. Das hydraulische System für die Federung ist bahnbrechend. Beim Start hebt sich der ganze Wagen. Wie auf einem Luftkissen flieht man durch Strassen und über Land. Die völlig ungewohnte Karosserieform ermöglicht eine besonders vorteilhafte Aerodynamik. Verglichen damit ist der Opel Olympia ein Traktor, ein fahrendes Gartenhäuschen. Sie sind wirklich innovativ und kreativ, die französischen Ingenieure. So schwärmten wir von der Technik, die uns in Paris begegnete. Einige Biere später waren wir beim Eiffelturm. Auch von einem Superingenieur in Blitzeseile erbaut.
Da fiel mir ein, dass Marie-Antoinette, meine Cousine, in Paris weilte. Sie absolvierte eine Ausbildung in der Alliance Française. Wir hatten vereinbart in Verbindung zu bleiben. Ich hatte ihre Telefonnummer. Der Kellner verkaufte mir einen Jeton für hundert Francs. Die Währungsanpassung war schon lange vorbei. Immer noch rechnete man in Frankreich mit alter Währung. Offenbar liebte man grosse Zahlen. Das gab das Gefühl so richtig reich zu sein. Eine DS kostete so 5 Millionen Francs.
Ganz so einfach war der öffentliche Automat dann doch nicht zu bedienen. Die Bedienungsanleitung war in kleinster Schriftgrösse, in roter Farbe auf blauen Hintergrund gedruckt. Sehr schwer zu lesen. Der Jeton passte nicht genau in den Schlitz. Der Barmann in der Nähe half mir mit einem kräftigen Faustschlag auf den Kasten. Die Wählscheibe war mit Zahlen und Buchstaben versehen. Warum wohl? Das entsprechende Loch in der Scheibe war so klein, dass ein normaler Finger einer normalen Hand eines normalen Mannes nicht ganz hineinpasste. Das ständige Ausrutschen erschwerte das richtig Einstellen der Telefonnummer beträchtlich. Wieder war der Barmann zur Stelle. Er half mit einem abgenutzten Bleistift aus. Mit dessen Hinterteil gelang die Nummerwahl problemlos. Es klingelte bei Marie-Antoinette. Sechsmal. Da meldete sich jemand mit «Alloo» «Bist Du es Maninette?» Keine Antwort. Natürlich, jetzt roten Kopf drücken. Wieder ich: «Bist Du es Maninette?» «Maninette ist noch an der Sorbonne.» Pech, zwar hatte ich eine Verbindung, nur mit der falschen Person. Die französischen Ingenieure hatten übersehen, dass in Paris nie jemand mit dem Namen das Telefon abnimmt. Immer nur « Alloo». Man kommt nicht um den roten Knopf herum, um zu testen, ob die richtige Person erreichbar ist. Damit ist der Jeton genau so versenkt wie bei uns die 20 Rappenmünzen. Sie sind doch nicht so gut, die französischen Ingenieure.
Nicht so streng sein, Hans. Das ist nur ein Telefon.
Denk an die DS! Ich denke. Ich denke an Anton, Automechaniker in der Autowerkstatt im Quartier und Vertreter von Citroën. Als ich ihn besuchte beugte er sich gerade über den vorderen Kotflügel des neuesten Modells einer Citroën DS 21 Pallas. Am Boden, sorgfältig aufgereiht, lagen alle Bestandteile des Scheinwerfers. Ich kam nicht dazu, meine Komplimente zum futurischen Wagen zu platzieren. Toni, mit hochrotem Kopf, hievte sich vom Auto ab. «Da sagt man immer, die Franzosen seien die besten Autokonstrukteure. Keine Rede davon. Um die Glühbirne im Scheinwerfer zu wechseln brauche ich mehr als eine dreiviertel Stunde. Schau Dir das an. Eine Totaldemontage des gesamten Lichtsystems ist nötig, um eine Birne zu wechseln. Da Lob ich mir den Opel Olympia. Im Handumdrehen ist alles erledigt.»
Unser Lehrer am Poly hatte einmal gesagt: «Immer ein Projekt bis zum allerletzten Ende durchdenken.» Beim Citroën DS haben die Ingenieure zwar eine zukunftweisende Leistung vollbracht, ein mit viel Kreativität entwickeltes Auto auf die Strasse gebracht, das Axiom des Zuendedenkens aber sträflich vernachlässigt. Wir Schweizer sind keine Autobauer. Bei den Schiffsturbinen dürfen wir uns sehen lassen. Alles etwas klobiger, konservativer, dafür zuverlässig im grössten Sturm auf See.
Auf der Heimreise in der Eisenbahn konnten wir es nicht lassen unseren Stolz auf unseren Beruf freien Lauf zu lassen. Voller Zuversicht im bevorstehenden Berufsleben die Projekte bis zum Ende durchzudenken.

Das war gerade nach Abschluss des Studiums. Heute, nach Abschluss unserer beruflichen Laufbahn sitzen wir wieder zusammen. Diesmal im Restaurant Kropf und lassen die grössten gemachten Fehlern unserer Karriere Revue passieren. Die bescheidene Schlussfolgerung: die schweizerischen Ingenieure sind nicht besser und nicht schlechter als die Franzosen. Nur anders. Auch wenn wir keine Jetons benützen, um zu telefonieren.

Citroën DS 21 M Pallas 1972

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Jetons

 

Bien que nous n’ayons rien eu à y faire, nous aimions fréquenter le quartier latin lors de nos séjours à Paris. Avec une préférence pour le Café de Flore. Nous nous sentions alors comme des philosophes ou artistes à venir. C’est ici que séjournaient Madame de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Pablo Picasso, Jean Cocteau et nous. Nous, des ingénieurs qui venions d’obtenir le diplôme de l’école polytechnique. Nous, soit Zapf, Jazz, Pavor, Hänschen et Bora. Après avoir passé les examens, nous voilà tous ensemble en voyage de diplôme. Nous l’avions bien mérité. Nous, les meilleurs ingénieurs de la meilleure des universités, l’Ecole polytechnique fédérale de Zürich!
Devant des pintes de bière nous jouissions de la nouvelle liberté. Un demi sur le boulevard Saint Germain. En France, le pays de Gustave Eiffel, Albert Caquot, Edouard Biot et André Citroën. Tous des représentants du génie typiquement français. Des modèles pour nous. Que nous admirions comme collègues. Des hommes qui nous servaient de référence.
Un exemple de l’évolution technique de ces temps-là est le téléphone public de France Télécom. Une performance bien supérieure à nos solides automates suisses. Alors que nous devions payer en espèces, ici on utilisait des jetons. Les avantages furent nombreux. On achetait le jeton au bureau de tabac ou chez un serveur. Les modifications de tarif entraînaient une augmentation du prix du jeton. La hausse du coût était ainsi compensée immédiatement. En Suisse il eut fallu reconstruire l’appareil dans ce cas. On n’était pas obligé d’avoir les pièces de monnaie adéquates sur soi. Il n’y a pas plus simple. Voici un autre avantage des jetons. Il était possible de ne payer la communication seulement si la personne appelée répondait. La procédure fut la suivante: dès que le jeton était introduit, on pouvait composer le numéro. Le jeton n’était pas encore avalé par l’appareil. Si l’interlocuteur répondait par son nom, il fallait actionner le bouton rouge. La liaison était alors établie, l’entretien eut lieu et la taxe téléphonique payée par le jeton avalé. On pouvait donc vérifier si la liaison était correctement établie avant de payer. En cas de problème, on raccrochait et récupérait le jeton. Pas de liaison, pas de dépense. Le paiement ne se faisait donc uniquement après l’obtention de la bonne liaison, par le bouton rouge. Ils sont vraiment forts, les ingénieurs français.
Ce mot-clé amenait la conversation des jeunes ingénieurs suisses vers l’industrie automobile. En particulier aux véhicules des usines Citroën, la Deux-chevaux et la DS. Tous les deux des révolutionnaires de la fabrication d’automobiles. La DS représente l’avenir. Ce n’est pas seulement l’aspect avant-gardiste qui séduit. Ce sont les innovations techniques qui font sensation. Le système hydraulique de la suspension est révolutionnaire. Au démarrage, la voiture complète se soulève. Puis plane comme sur un coussin d’air sur les routes et la campagne. La forme originale de la carrosserie lui procure un aérodynamisme particulièrement favorable. En comparaison, l’Opel Olympia est un tracteur, un cabanon de jardin mobile. Ils sont vraiment novateurs et créateurs, les ingénieurs français. C’est ainsi que nous parlions avec enthousiasme de la technologie rencontrée à Paris. Quelques pintes de bière plus tard nous arrivions à la Tour Eiffel. Egalement construit par un super-ingénieur et en un temps record.
C’est là que je me suis souvenu que ma cousine Marie-Antoinette séjournait à Paris. Elle suivait une formation à l’Alliance française. Nous avions convenus de rester en contact. Je possédais son numéro de téléphone. Le serveur m’a vendu un jeton au prix de cent francs. L’ajustement monétaire était passé depuis longtemps, mais les Français continuaient à calculer en anciens francs. Apparemment on aimait les grands chiffres. Ils donnaient l’impression d’être véritablement riche. Ainsi une DS valait 5 millions de francs.
L’utilisation de l’automate public n’était finalement pas si simple que ça. Le mode d’emploi était imprimé en toutes petites lettres rouges sur fond bleu. Très difficile à lire. Le jeton ne s’ajustait pas exactement à la fente. Le barman en proximité m’a aidé par un coup de poing efficace sur la boîte. Le cadran comportait des chiffres et des lettres. Pourquoi ça? Le trou dans le disque était tellement petit qu’un doigt normal de la main normale d’un homme normal ne pouvait pas s’y introduire. Ce dérapage permanent rendait la sélection du numéro de téléphone difficile. Le barman se présentait à nouveau. Il m’a dépanné avec un crayon usé. En utilisant sa partie arrière, le problème était résolu. La sonnerie retentit chez Marie-Antoinette. Six fois. Puis quelqu’un répondait par “allo”. “C’est toi Maninette?” Pas de réponse. Evidemment, il fallait actionner le bouton rouge. A nouveau moi: “C’est toi Maninette?” “Maninette est encore à la Sorbonne”. Malchanceux, j’avais bien le contact mais pas avec la bonne personne. Les ingénieurs français n’avaient pas tenu compte du fait qu’à Paris personne ne répond au téléphone en annonçant son nom. Toujours que par “allo”. On ne peut pas éviter le bouton rouge pour savoir si la personne recherchée est joignable. Ainsi le jeton est avalé comme chez nous les pièces de 20 centimes. Finalement ils ne sont pas si forts que ça, les ingénieurs français.
Ne sois pas si sévère, Hans. Il ne s’agit que d’un téléphone.
Pense à la DS! Je pense. Je pense à Anton, le mécanicien au garage voisin et représentant de Citroën. Quand je l’ai vu récemment, il était penché sur l’aile avant du dernier modèle d’une Citroën DS 21 Pallas. Au sol se trouvaient, soigneusement alignés, tous les composants du phare. Je n’ai pas eu le temps de placer mes compliments sur la voiture futuriste. La tête écarlate, Toni se détachait du véhicule. “On dit des français qu’ils sont les meilleurs constructeurs de voitures automobiles. Ne m’en parlez pas. Il me faut trois quarts d’heure pour remplacer l’ampoule d’un phare. Regardez-moi ça. Le remplacement d’une ampoule nécessite le démontage complet du système d’éclairage. Je préfère franchement l’Opel Olympia. Là, tout se règle en un tour de main.”
Notre enseignant à l’école polytechnique nous avait dit: “Examiner un projet toujours jusqu’à sa fin”. Dans le cas de la DS, les ingénieurs ont bien fourni un effort novateur, conçu une voiture avec beaucoup de créativité, mais en négligeant l’aspect “penser jusqu’au bout”. Nous-autres Suisses ne sommes pas des constructeurs d’automobiles. Nos turbines marines sont honorables. Plus massives, conservatrices, mais résistantes aux plus grandes tempêtes en haute mer.
Pendant le retour en train nous ne pouvions pas nous empêcher de donner libre cours à notre fierté professionnelle. Confiants de penser jusqu’au bout les projets qui se présenteront pendant notre vie active à venir.

C’était juste après la fin des études. Aujourd’hui, à la fin de notre carrière, nous étions à nouveau réunis. Cette fois au restaurant Kropf, nous passions en revue les plus grandes erreurs commises pendant notre carrière. La conclusion modeste: les ingénieurs suisses ne sont ni meilleurs ni pires que leurs collègues français. Mais différents. Puisque nous n’utilisons pas de jetons pour téléphoner.

 

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