Pappel

Vorgeschichte

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Goldistenquartier in Gossau-ZH ein Flurweg welcher die Bertschikerstrasse mit dem Frohe Aussichtsweg verbindet,erstellt. Also im Gebiet zwischen Öli, Saum und Oberried. Heute heisst er Sunnengartenweg. Das heutige Einfamilienhausquartier nördlich der Grütstrasse war noch nicht überbaut. Dort standen zu der Zeit die Bauerngehöfte der Familien Homberger, Pflugshaupt, Zimmermann, Rosenberger und noch weitere. Vater Rosenberger pflanzte längs des Flurwegs eine regelrechte Pappelallee. Die Bäume gediehen prächtig. Sie ragten bis zu 35 Meter in den Himmel. Sie waren für die Gossauer Bevölkerung eine Baumparade, die das Dorf nach Norden abgrenzte. Eine richtige Abschlusskulisse. Zu der Zeit zählte Gossau-Dorf knapp 1200 Einwohner. Ein landwirtschaftliches Dorf, in welchem Fleisch- und Milchprodukte gezogen wurden.

Das Zürcher Oberland entwickelt sich.

In der Nachkriegszeit wird Gossau zu einem begehrten Wohnort. Ein starkes Bevölkerungswachstum setzt ein. Viele Neuzuzüger zieht es nach Gossau. Es entwickelt sich in den sechziger Jahren ein ausgesprochener Bauboom. Das Einfamilienhausquartier „in den Goldisten“ wächst mit ähnlicher Geschwindigkeit wie die Pappeln von Herrn Rosenberger. Diese Pappelallee muss als Folge der Bauerei, peu à peu der neuen Zeit weichen. Um 1973 stehen noch gerade 4 Bäume nordöstlich der Saumstrasse. In diese Zeit stürzt eine der Pappeln nach einem Sturm auf das Haus meines Nachbarn und richtet grossen Schaden an.

Da waren es nur noch drei.

Eine davon steht ungefähr in der Mitte meines Grundstücks und bedient mich jährlich mit einem enormen Blattfall. Eindrücklich wie viele Blätter diese hohe Säulenpappel in einem Jahr produziert. Ein bisschen Unbehagen herrschte immer in der Familie. Wussten wir doch nicht, ob uns auch einmal ein ähnliches Schicksal, der Sturz eines riesigen Baumes auf unsere Liegenschaft, bei einem immer wieder auftretenden Sturm, ereilen könnte. Es ist nie etwas geschehen. Im Gegenteil, es entspann sich eine eigentliche Liebe zu dem hünenhaften Gewächs jenseits der Grenze. Sein leises Rauschen gehörte zu unserem Garten. Wie ein Leuchtturm zeigte es an, wo wir wohnten. Es gehörte zum Gesamtbild der Liegenschaft. Inzwischen ist die Pappel in die Jahre gekommen. 70 Jahre hat sie wohl hinter sich. Es kam der Tag, an dem sie sterben musste.

Das Ende der Pappel war besiegelt.

Es war der 7. März 2014. Drei Profis von der Spezialfirma Volz rückten mit grossen Maschinen an und begannen systematisch den Baum von oben nach unten zu fällen.

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vorher                                 nachher                                        am Schluss

Bis der Baum wirklich gefällt war, brauchte es einiges an Arbeit. Die drei Holzfäller benötigen mit ihren Maschinen von 11 Uhr bis um drei, mit einer Stunde Mittagspause. Drei Stunden Arbeit und die Pappel war dem Erdboden gleich gemacht. Zuerst gingen die Maschinen in Stellung.

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Mit dem Kran, er kann schwere Lasten bis zu fünfzig Meter in die Höhe heben, wird sowohl Baumteil um Baumteil abgebaut, als auch der Holzfäller in einem Seemannsstuhl in die richtige Position gebracht.

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Das Baumstück wird mit einer massiven Kette gesichert. Der Holzfäller sichert sich selbst am Baum und beginnt den Stamm mit einer Motorsäge abzutrennen. Bis der Baumstumpf frei am Kranenhaken bambelt. Vorsichtig bringt ihn den Kranführer zurück zur Erde und schichtet Abschnitt zu Abschnitt.

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Damit ist die Arbeit der Equipe von Volz Baum AG aus Hinteregg abgeschlossen. Das war am Freitag. Am Dienstag darauf fährt wieder schweres Geschütz auf.

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Der riesengrosse Häcksler zerkleinert alles. Die ist Äste, das versteht man noch. Dass aber auch die, zum Teil metergrosse Stämme, zerkleinert werden können, ist bewundernswert. Zum Abtransport der Überreste aller drei Pappeln wurden zwei Fuhren mit dem grossen Anhänger am Traktor benötigt.

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Das gesamte Holz der Pappel vor meinem Garten war innerhalb von einer Dreiviertelstunde zerkleinert und verladen.

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Sic transit gloria! So vergeht der Ruhm einer ehemals schönen Pappelallee.

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