Neujahr

 

Eins ist sicher. Das Jahr 2016 wird als »Jahr des Umbruchs« in die Weltgeschichte eingehen. Es brachte Terroranschläge, Brexit, Regierungskrisen in Spanien und Italien, Erfolge der nationalistischen Bewegungen in Deutschland und Frankreich, Trump und die Krisenstimmung in Brüssel. Die Welt ist aus den Fugen geraten. Europa ist instabil geworden. Lauter Begebenheiten welche zur Verunsicherung des Alltags geeignet sind. Unserer Zukunft wird immer ungewisser. 2016 wird zu einem Jahr des Aufbruchs in eine neue Zeit.
Schwierig aus dieser Vielfalt undurchsichtiger Ereignisse etwas heraus zu fischen, welches uns auf gute Zukunftsaussichten hinweist. Falsch! Es gibt im vergangenen Jahr ein Signal der Zuversicht, ein positives Zeichen der Lebensbejahung: das Grossprojekt Solarimpuls.


Solarimpuls, das Schweizer Flugzeugprojekt von Bertrand Piccard und André Borschberg. Den beiden Flugpionieren ist es gelungen, ohne einen Tropfen Flugpetrol, rund um die Erde zu fliegen. In einem Fluggerät mit der Spannweite eines Airbusses und dem Gewicht eines Ford Mondeo. Sie haben in den 17 Etappen 42’500 km zurückgelegt. Etwas mehr als 23 Tage sassen sie am Steuerknüppel bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von knapp 80 km/h. Es ging den beiden dabei nicht um Rekorde, Medaillen und Auszeichnungen, sondern um eine Botschaft, um eine Mission. Das Projekt Solarimpuls gliedert sich in zwei Teile, den Flug und die Aktionen zur Verbesserung der Energienutzung.
Piccard war bei seiner vorhergehenden Weltumrundung mit seiner Non-Stop-Ballonfahrt beinahe ohne Treibstoffgas in Ägypten gelandet. Er hatte noch knapp 1 % des Flüssiggases im Tank. Das war eng! Da ging ihm ein Licht auf. Die nächste Weltumrundung müsste ohne Treibstoff zu unternehmen sein. Es muss auch ohne fossilen Brennstoff gehen. Die heute gebräuchliche Energiegewinnung aus Kohle, Erdöl und Erdgas ist ökonomisch unrentabel, technisch veraltet und ökologisch belastend.
Das Zeitalter ist gekommen, diese Verschwendung von Ressourcen durch bessere nachhaltige Energiequellen zu ersetzten. Da blitzte in seinem Kopf der Gedanke zum Projekt von Solarimpuls auf. Ohne fossilen Treibstoff, nur mit der Energie der Sonne, um den Globus fliegen. Der Menschheit zeigen: es geht auch anders.
Das war 1999. Zwei Jahre später starteten an der ETH Lausanne die Machbarkeitsstudien. Weitere zwei Jahre später, im November 2003, verkündeten Piccard und Borschberg offiziell den Beginn des Projekts. Dieses nahm sein vorläufiges Ende dieses Jahr, wieder im November, als »Solarimpuls zwei« in Einzellasten zerlegt, in den Heimflugplatz Dübendorf zurückgekehrt war. Damit fand der technische Teil des Projektes seinen Abschluss.
Ein gigantisches Projekt, welches 15 Jahre dauerte, 60 Personen beschäftigte und 140 Millionen Schweizerfranken kostete, war erfolgreich realisiert worden.
Bertrand Piccard nach der Landung im Originalton: »Wenn ein Flugzeug Tag und Nacht und nur mit Solarenergie und ohne Treibstoff fliegen kann, wird niemand mehr behaupten können, dass solche Lösungen nicht auch für Autos, Computer oder Klimaanlagen möglich sind.« Damit war die Botschaft für nachhaltige Energiequellen z.B. Solarkraft, lanciert. Eine Mission geht um die Welt.
Lassen Sie mich zurück kommen auf diese enorme Leistung menschlichen Pioniergeistes. Frage: «Welches sind die hauptsächlichsten Voraussetzungen für das Gelingen eines solchen Unternehmens?»

Der Wille, Unmöglichkeiten zu überwinden.
Die Meisterung einer langfristigen Projektführung.
Der Mut, mit der Ingenieurkunst, technisches Neuland zu betreten.
Die Langzeitmotivation eines Teams von 60 Mitarbeitern am Glühen zu halten.
Die Beherrschung der Instrumente der Kommunikation und der Überzeugungskraft.
Die Fähigkeit Rückschläge und Misserfolge aus dem Weg zu räumen.
Die Bereitschaft, an die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit zu gehen.
Die Beschaffung der notwendigen finanziellen Mittel zu realisieren.
Die Durchhaltekraft das Ziel, die Botschaft, nie aus den Augen zu verlieren.

Die Weltumrundung ist ein Abenteuer, eine schwierige Pionierleistung. Diese Herkulesaufgabe haben Piccard und Borschberg erfolgreich gemeistert. Auf der Etappe von China nach Japan sass André Borschberg fünf Tage, beinahe ohne Schlaf, im Cockpit. Das Flugzeug sollte leicht sein, wenig wiegen. Für den Bau der Maschine mussten neue, nie erprobte Baustoffe entwickelt und eingesetzt werden. Die bisher bekannten Grenzen der Ingenieurskunst wurden durchbrochen. Eine mutige Leistung der Techniker. Der grösste Rückschlag, mit den irreversibel beschädigten, überhitzten Batterien, wurde weggesteckt. Zehn Monate später, nach der technischen Zwangspause, gelang der Start zur nächsten Etappe der Umrundung der Erdkugel, von Hawaii nach Kalifornien. Die Niederlage war ausgestanden. Das Team arbeitete motiviert weiter. Das Projekt kostet rund 140 Millionen Schweizerfranken. Das Geld wurde von überzeugten Partnern und Donatoren gespendet. Hier kommt die Begabung der beiden Pioniere, als vorbildliche Präsentatoren ihrer Idee, zum Zug. Es ist ein Genuss ihnen zuzuhören. Die können wirklich überzeugen. Sie wollen die Welt echt verändern.
Sie wollen die Geisteshaltung der Menschen in Bezug auf die Energieverwendung ändern. Sie sind die Wegbereiter der sauberen Wirtschaft. Es geht um die Art und Weise wie der Mensch über Energie denkt. Heute wird viel zu viel Energie verschwendet. Verbrennungsmotoren und Glühbirnen sind hundertjährige Technologien. Sie sind als Solche sehr ineffizient. Mit Solarimpuls wurde gezeigt was Energieeffizienz bedeutet.
Nach erfolgreichem Abschluss der Weltumrundung wurde ein Instrument für saubere Technologien in die Tat umgesetzt. Die Gründung des «Weltbundes für saubere Technologie».Der Botschaft folgen die Massnahmen. Das ist der zweite Teil des Unternehmens. Der weitaus wichtigere. Er umfasst alle betriebswirtschaftlichen Funktionen, die nötig sind um eine Brücke zwischen der Ökonomie und Ökologie zu schlagen. Dieser Weltbund fördert Tätigkeiten, welche für nachhaltige Entwicklungen in der Verwendung der Ressourcen sorgen und die Steigerung der Lebensqualität zum Inhalt haben. Sie vereinigt Körperschaften, welche Leistungsträger von sauberer Energie sind. Schliesslich berät sie mit konkreten Lösungen die Energieeffizienz zu realisieren.
Solarimpuls ist ein vorbildliches Schauobjekt wie aus einer Idee über einen Werbeträger eine neue Industrie entstehen kann. Dieser Aufbruch in eine bessere Zukunft scheint mir eine gute Leistung im Jahr 2016 zu sein. Die Idee und die Realisierung langfristig eine neue, effizientere Energienutzung voranzutreiben. Sie wird in 2017 weiterwirken. Einen guten Grund Ihnen allen, ein schönes und gutes Neues Jahr zu wünschen.
Für die Festtagsszeit schöne entspannende geruhsame Stunden, Zeit zum Verweilen, zum Nachdenken und zum Auftanken. Beste Wünsche für ein gutes Neues Jahr! Wenn’s alte Jahr erfolgreich war, dann freue dich aufs Neue. Und war es schlecht, ja dann erst recht.

Bliibud gsund und nämeds nit zschwär!

 

Was waren das für eine Familie, die Piccards.

Grossvater Auguste Piccard (1884 – 1962) mit dem Ballon in die Stratosphäre.

Vater Jacques Piccard (1922- 2008) 11’000 Meter unter dem Meeresspiegel im Bathyscaph.

Sohn Bertrand Piccard (*1. März 1958) Psychiater, Wissenschaftler und Abenteurer, Weltumrundung mit Ballon und Solarflugzeug.

            August
                   Jacques
                     Bertrand

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Ein Gedanke zu „Neujahr“

  1. Besten Dank für den “ersten Ufsteller” des Jahres!

    Das Projekt “Solar Impulse” ist neben der technischen und fliegerischen Leistung, noch ein Vorzeigeprojekt für etwas das immer wichtiger wird: “Positiver Imagetransfer”. Mit seinem Vorhaben mit Hightech, aber ohne fossile Brennstoffe, um die Welt zu fliegen haben Piccard und seine Leute ein Image von hoher Visibilität, aber ohne Skandale und mit Erfolg kreiert. An diesem Image teilzuhaben war nicht nur für Industrieunternehmen wie ABB, Schindler oder Omega interessant, sondern auch für Unternehmen des Scheichs von Abu Dhabi ( Masdar, a Mubdala company ).
    Von der Fähigkeit und dem Können ein solch positives Bild von sich und seinem Vorhaben zu kreieren und zu kommunizieren, sodass andere es sich münzen wollen, brauchen wir mehr.
    Die meisten Populistiker verstehen sich heute nur noch auf einfache, meist negative, oft postfaktische (Wort des Jahres 2016) Aussagen. Wir sollten schnell von Piccard lernen, sonst müssen wir uns nicht wundern eines Tages niedergeschrien zu werden.
    Liebe Grüsse
    Andi
    P.S. Im Zeitalter der umfassenden Socialmedia-Analytik mit automatisierter Sentiment-Analyse aus Texten und Bildern wird ein „positives Image“ geschäftlich und politisch sehr relevant.

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